Organisation und Akzeptanz: Eine empirische Analyse der IG by Bernhard Boll

By Bernhard Boll

Die Vertretung und Artikulation von Interessen sind wesentliche Bestandteile der politischen Willensbildung pluralistischer Demokratien. Besondere Auf merksamkeit und Verantwortung kommt dabei in der Bundesrepublik Deutsch land den Tarifparteien, d. h. den Arbeitgeberverbanden und Gewerkschaften zu. Ihre recognition als verlaBliche gesellschaftspolitische Akteure hangt dabei nicht nur von der Seriositat und Effizienz der von ihnen vertretenen Politik ab, sondern in gleichem AusmaB von der Akzeptanz durch ihre eigenen Mitglieder. Verbandsaustritte bei den Arbeitgebern und Mitgliederriickgange bei den Ge werkschaften sind keineswegs nur erfreuliche Nachrichten fur die jeweilige Ge genseite: sie sind nicht nur Indikatoren zunehmender Organisationssschwache, sondern auch - aufgrund des interdependenten Verhaltnisses beider Verbande ernstzunehmende Signale tiber den potentiellen internen EinfluBverlust der fUr eine Verhandlung notwendigen Gegenseite. Die innerorganisatorischen Kon troversen, die durch die jtingsten Tarifabschliisse und deren Modalitaten oder urn die Zukunft des Flachentarifvertrags entbrannten, zeigen, daB derlei Konse quenzen nieht allzu dramatisch tiberzeichnet sind. Halt guy sieh zudem die stetig abnehmende Zahl von Gewerkschaftsmitgliedern vor Augen, wird auch hier der Zustand des organisierten Konfliktpotentials auf Arbeitnehmerseite deutlich. Hier setzt die vorliegende Studie an: sie macht sich die Uberprtifung der Akzeptanz der IG Metall in Sachsen aus Sicht ihrer Mitglieder zur Auf gabe. Interessen k6nnen zumeist schnell formuliert, lange diskutiert, aber nur selten im vollen Umfang realisiert werden. Die Entstehung der hier vorliegen den Studie stellt insoweit eine Ausnahme von derlei Alltagserfahrungen dar. Denn nur selten wird zunachst euphorisch anmutenden Forschungsinitiativen von den Objekten ihrer wissenschaftlichen Begierde sofortige Sympathie und ebenso brennende Aufmerksamkeit entgegengebracht.

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Organisation und Akzeptanz: Eine empirische Analyse der IG Metall im Transformationsprozeß Ostdeutschlands

Die Vertretung und Artikulation von Interessen sind wesentliche Bestandteile der politischen Willensbildung pluralistischer Demokratien. Besondere Auf merksamkeit und Verantwortung kommt dabei in der Bundesrepublik Deutsch land den Tarifparteien, d. h. den Arbeitgeberverbanden und Gewerkschaften zu. Ihre popularity als verlaBliche gesellschaftspolitische Akteure hangt dabei nicht nur von der Seriositat und Effizienz der von ihnen vertretenen Politik ab, sondern in gleichem AusmaB von der Akzeptanz durch ihre eigenen Mitglieder.

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Diese Auspragungen oder "Determinanten" werden jeweils durch ein Set von Variablen operationaiisiert. Fur die "Ubereinstimmung von Organisationsziel und Mitgliederinteressen" sind dies die Variablen Beitrittsmotive, Perzeption und Performanz wichtiger Aufgaben, die wahrgenommene Performanz der Funktionare und eventueller Autoritatsstrukturen sowie die Partizipation der Befragten. Die Operationalisierung der einzelnen Variablen wird vor ihrer Analyse an der daftir vorgesehenen Stelle erortert. 50 Ihrem veranderten theoretischen Stellenwert in der Verbiindeforschung entsprechend, ist die Partizipation als eine Variable unter mehreren dem ersten Teilbereich untergeordnet.

Und Bergmann noch im wesentlichen auf die institutionalistischen Theorien (Wiesenthal, 1992: 38) zuruckfuhren lassen. Spatere Arbeiten zielten seitdem zunehmend auf Olsons Logik des kollektiven Handels ab, wenn sie die organisationstheoretischen Probleme der Willensbildung direkt oder auch nur mittelbar thematisierten. Zuvor aber hat Hansjorg Weitbrecht (1969) die Losung dieses partizipationstheoretischen Zielkonflikts bei Gewerkschaften mit dem Begriff der "Quasi-Partizipation" zugespitzt. Fur die Situation der Gewerkschaften betont Weitbrecht zunachst die organisationspolitisch wesentliche Integrationsfunktion des innerorganisatorischen Willensbildungsprozesses.

AuBerhalb der Gewerkschaftsforschung beispielsweise belegen die jiingsten Realanalysen von Heinze (1989) oder Groser (1992) sowie die im Sammelband von Mayntz (1992) zusammengefaBten Arbeiten fortlaufende Forschungen. Streecks (1981) und Armingeons (1988) umfassende Studien stellen filr den Bereich der Gewerkschaftsforschung Realanalysen jiingeren Datums dar, die schlieBlich iiber den Radius einer Fallstudie hinausgehen. Anhand sechs ausgewahlter Gewerkschaften unternahm Streeck den Versuch, organisationstheoretisch EinfluBfaktoren filr Gewerkschaften in der korporatistisch gepragten "sozialstaatlichen Demokratie" aufzuzeigen.

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